Exponate II.: 

Gestirnsgötter und ihre Heiligtümer - 

Himmlische Herrscher mit menschlichem Charakter

Echnaton und Nofretete, Ägyptischer Sphinx, Sphinx von Thasos, Herakles Farnese, Herakles Landsdowne, Herakles-Metope: AugiasställeAtlas-Metope von OlympiaGlobus des Atlas FarneseCaelusApoll vom Belvedere, Zeus von Otricoli , Die Apotheose HomersHelios-Bleiblech, Sonnengott-Theatermaske,  IkarusArtemis von VersaillesArtemis von Ephesos, Hekataion, Hekate-Darstellungen, Herme, Herme-Darstellungen, Hermes mit Dionysos, Asklepios, Hermes/Merkur-ReliefMerkur-StatuetteVenus von FrejusAres BorgheseJupiter DolicheusGemma AugusteaAugustusstatue von Primaporta,KairosKentauren auf 2 OscillaRömerin als UraniaMusensarkophag mit UraniaAthene-WeihreliefAthene ParthenosAthene und PoseidonPoseidon-Maske, Mithras-ReliefDiorama eines Mithras-HeiligtumsKalenderfries mit 12 ZodiakalzeichenPantheon in RomSt.Hedwigs-KathedraleRotunde Altes MuseumNeue ReichstagskuppelDioskuren, Löwe von Kommagene, Moderne Tierkreiszeichen-Kacheln

201

Echnaton und Nofretete

Pharao Amenophis IV. wollte die Macht der Amunpriesterschaft brechen, indem er als alleinig anzubetenden Gott Aton einführte, das Licht der Sonne.

Er nannte sich fortan Echnaton, verlagerte die Hauptstadt und führte eine neue Staatsreligion ein. Seine Kulturrevolution scheiterte, die Priesterschaft arbeitete jenen Reformen entgegen. Sein Nachfolger Tutanchaton nannte sich dann auch bald wieder Tutanchamun. Die Restauration und Zerstörung der neuen Hauptstadt Achet-Aton begann später, unter den Ramsessiden. 

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1998-29

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202

Ägyptischer Sphinx

ptolemäisch

Das Rätsel des Sphinx: „Wer geht am Morgen auf vier Beinen, am Mittag auf zweien und am Abend auf dreien?“ Herakles Antwort: „Es ist der Mensch, den am Morgen seines Lebens kriecht, sich dann aufrichtet und im Alter am Stock geht." Das Rätsel der weiblichen griechischen Sphinx, das hauptsächlich mit der Ödipus-Sage verbunden ist, hat seinen Ursprung in dem männlichen Sphinx Ägyptens. Dort sagte der Sonnengott in einem Papyrus den 20. Dynastie (1171 bis 1085 v. Chr.) von sich selbst: „Ich bin Chephre am Morgen, Re am Mittag, Atum am Abend.“  

An sich spielte im Land am Nil die Astrologie eine untergeordnete Rolle. Wichtig war die astronomische Berechnung des exakten Zeitpunktes der alljährlichen Überschwemmungen. Dies entsprach ungefähr der Zeit im Frühjahr, wenn der Fixstern Sirius erstmalig morgens am Osthorizont zu sehen war, seinem heliakischen Aufgang. Die Berechnung oblag den Priesterastronomen, die auf Basis dieses Himmelsphänomens ihr religiöse Welt mit dem Himmels- und Jenseitsweltgöttern Isis, Osiris, Horus und Thot aufbauten. 

 

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, VII 137
Literatur: Hoppmann 1998-29f

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203

Sphinx von Thasos

3. Viertel des 6. Jhs. v.Chr. Kopf:  Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen. Körper:  Archäologisches Museum, Thasos.

Die griechische Sphinx war im Gegensatz zum ägyptischen weiblich und nicht männlich.  Die Sphinx kann als Versinnbildlichung der vier astrologischen Hauptelemente gesehen werden: Stierkörper, Löwenpranken, Adlerflügel (=Skorpion) und ein Menschenhaupt für den Wassermann. Allerdings lässt sich diese Auslegung nur ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Theosophen um Madame Blavatski die Mythologie neu belebten, als Gegenpol zum damals vorherrschenden mechanistischen Geschichtsbild.  Definitiv klären lässt sich auch nicht, ob Herakles tatsächlich bereits im ursprünglichen Mythos das Rätsel der Sphinx löste, oder ob dies als eine der zwölf Aufgaben erst im 19. Jahrhundert dem Heraklesmythos hinzugegeben wurde.  

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, B 17
Literatur: Stemmer 1995, 127

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204

Herakles Farnese

Kolossalstatue des sinnenden Heroen

Herakles als bekanntester und volkstümlichster aller griechischen Helden war als Halbgott mit übernatürlichen Kräften, aber auch menschlich-allzumenschlichen Schwächen ausgestattet.  Und so steht dieser muskulöse Gigant auf Keule und Löwenfell gestützt da, scheint nachzudenken, mit leerem Blick. 

Die Muskulatur dieser Statue ist, verglichen mit den ansonsten eher feingliedrigen Skulpturen der griechischen Antike, geradezu klotzig dargestellt.  Der schlaff auf dem massigen Rumpf hängende Kopf wirkt klein, die Gestalt in all ihrer Wuchtigkeit doch hilflos. 

Die feministische Geschichtsschreibung sieht in dem Kampf  des Zeus-Sohnes Herakles gegen die Schützlinge der Göttermutter Hera den Übergang zwischen Matriarchat und Patriarchat im alten Griechenland symbolisiert. Die Kolossalstatue zeigt den Helden mit den soeben aus dem Garten der Hesperiden geraubten Äpfeln.  Der von Heras hundertköpfigem, unsterblichen Drachen und den drei Nymphen bewachte Garten war nunmehr seines Schatzes beraubt. Doch wohin mit der Beute? Es gab keinen Verwendungszweck, der Sieg war sinnlos, wie so viele andere Siege des Herakles, beispielweise die Tötung der Amazonen-Königin Hippolyte.  Herakles schenke die Äpfel deshalb der Zeus-Tochter Athene, welche sie wieder zurück in den Garten brachte, denn nur dort durften sie sein.

Im späten 19. Jahrhundert ordneten die Theosophen (eine schon der sogen. Esoterik-Bewegung zuzuordnende Gruppe, aus der u.a. die Anthroposophen um Rudolf Steiner hervorgingen)  die zwölf Taten des Herakles den 12 Tierkreiszeichen zu, und diese Interpretation findet auch heutzutage oftmals Verwendung.  Es lässt sich wissenschaftlich kaum beweisen, dass die Griechen der Antike tatsächlich den Herakles-Mythos derart eng mit der Astrologie verknüpften.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik,

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205

Herakles Lansdowne

Herakles' Himmelfahrt:

So mit dem edleren Teil, des sterblichen Leibes entkleidet, / Lebt der Tirynthier fort in Fülle der Kraft und beginnet / Grösser zu werden und Scheu durch heilige Würde zu heischen. / Jetzt auf dem Vierspann trug ihn der allmächtige Vater / Mitten in hohlem Gewölk hinweg zu den strahlenden Sternen. (Ovid, Metamorphosen 9, 268-272)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, D3
Literatur: Lessing 1982, Mertz 1991

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206

Herakles-Metope: Augiasställe

Zu den zwölf Arbeiten des Herakles gehört auch das Ausmisten der Rinderställe des Augias. Herakles leitete das Wasser der Flüsse der Unterwelt hinein und bewältigte seine Aufgabe so an einem Tag. Diese Arbeit ordnen manche der heutigen Astrologen dem Tierkreiszeichen Stier zu, andere der Sonne im Zeichen Fische. 

Augias war der Sohn des Eleios. Die Leute, die seine Geschichte romantisch ausschmückten, haben Eleios' Namen so verdreht, als könne er von der Sonne hergeleitet werden, und machen dadurch Augias zu einem Sohn der Sonne. Dieser Augias besass so viele Rinder und Ziegen, dass der grösste Teil seines Landes unbebaut unter dem Mist seiner Herden lag, und so überredete er Herakles - sei es für einen Teil seines Königreiches, sei es für eine andere Form der Bezahlung -, den Mist von seinem Grund zu räumen. Herakles leitete den Fluss Menios durch den Mist, aber weil er die Aufgabe ohne wirklich harte Arbeit und mehr durch Schläue gelöst hatte, weigerte sich Augias, zu zahlen. (Pausanias, 5, 1, 9-2, 2) .

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, V 50 
Literatur: Lessing 1982, Mertz 1991, Hoppmann 1998-175

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207

Herakles Atlas-Metope von Olympia

Als elfte Arbeit sollte Herakles die goldenen Äpfel der Hesperiden holen. Auf dem Weg zum Ende der Welt wurde er von den Ägyptern gefangengenommen. Er sprengte seine Fesseln und zog weiter bis zum Atlas. (So heisst übrigens auch das Gebirge in Marokko, ganz am Ende der Welt des Mittelmeeres, dort wo der schier unendlich weite Atlantik beginnt). Mit einer List erreichte er, dass ein Riese namens Atlas für ihn die Äpfel holte. Dafür musste er so lange das Himmelsgewölbe tragen (Atlas heisst auch der oberste Halswirbel, der den Kopf trägt). Nur mit einer weiteren List konnte Herakles erreichen, dass der Riese Atlas das Himmelsgewölbe wiederum schultert. 

Prometheus hatte Herakles des Rat gegeben, nicht selbst die Äpfel zu suchen, sondern Atlas das Himmelsgewölbe abzunehmen und ihn zu schicken, und als er zu Atlas kam bei den Hyperboreern, folgte er dem Rat und löste ihn ab. Atlas pflückte drei Äpfel bei den Hesperiden und kam damit zu Herakles zurück. Da er aber das Himmelsgewölbe nicht wieder tragen wollte, gab er vor, selber die Äpfel dem Eurystheus bringen zu wollen, solange solle jener noch an seiner Stelle die Last behalten. Herakles erklärte sich einverstanden, nur wollte er sich ein Polster machen für seinen Kopf. Daraufhin legte Atlas die Äpfel auf die Erde und übernahm wieder das Himmelsgewölbe, indem Herakles sich mit den Äpfeln entfernte ... (Apollodor, 2, 120, (5, 11, 11-12)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, V 52
Literatur: Lessing 1982, Gärtner 1989, 1991, 1998-16/175

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208

Globus des Atlas Farnese

Gipsabdruck eines Himmelsglobus, den Atlas auf den Schultern trägt, um 336 v.Chr.

Arme, Beine und Gesicht der vermutlich im 2. Jahrhundert entstandenen und Mitte des 16. Jahrhunderts wiederaufgetauchten, 1562 von Allessandro Farnese erworbenen Atlasstatue sind verloren und wurden zuletzt Ende des 18. Jahrhunderts, bevor die Farnesesammlung nach Neapel verschifft wurde, in der Werkstatt von Carlo Albacini in Rom ergänzt bzw. überarbeitet. Relativ gut erhalten - es fehlt ein Stück des nördlichen Polarkreises - ist der sog. Prachtglobus, auf dem 44 oder 45 Sternbilder über Parallelkreise und Kolumnen im Relief dargestellt sind, wofür astronomisch-astrologische Berechnungen erforderlich waren.

Planetarium Hamburg, Warburg-Sammlung, Tafel IV,6. Die Warburg-Ausstellung, eine Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde: Von Anfang Juni bis Mitte September wird im oberen Ausstellungsraum des Planetariums die völlig restaurierte Warburg-Ausstellung gezeigt. Viele der Exponate galten lange Zeit als verloren, wurden jedoch wiederentdeckt. Andere waren in den unteren Räumen unseres Hauses ausgestellt. Nun ist die Ausstellung wieder komplett. 
Mit ihren über 100 Objekten - zumeist Photographien von illustrierten Handschriften und Büchern, Zeichnungen und Holzschnitten, aber auch Gipsabgüssen, Schaukästen und Modellen - führt sie den Besucher durch 4.000 Jahre astrologisch-kosmologische Vorstellungswelt. Von den Babyloniern bis zu Kepler visualisieren und erläutern 17 chronologisch angeordnete Abteilungen charakteristische Konzeptionen der Sternenwelt und damit zugleich die Frage nach der Stellung des Menschen im Kosmos. 
Urheber der Ausstellung ist der Hamburger Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866 -1929). Warburg, der als erster Kunsthistoriker die weitreichende Bedeutung astrologisch-kosmologischer Vorstellungen für die Bilderwelt der Renaissance erkannte, hat der Erforschung ihrer Symbol- und Überlieferungsgeschichte Jahrzehnte seines Lebens gewidmet. Als man sich in Hamburg Ende der 20er Jahre für die Einrichtung eines Planetariums entschied, sah er hier den Ort, um die Quintessenz seiner Studien in einer "Bildersammlung" zum öffentlichen Ausstellungsgegenstand zu machen. Sie wurde am 15. April 1930 eröffnet. Nicht nur die Ausstellung, auch der Ausstellungsraum ist einmalig. Er befindet sich unter dem grossen Wasserbehälter und erlaubt einen Blick auf die Industriearchitektur der Zwanzigerjahre.
Literatur: Hoppmann 1998-16

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209

Caelus

Der Himmelgott hüllt sich in seinen Sternenmantel. Diese selten dargestellte römische Personifikation des gestirnten Firmaments (vgl. auch die Augustus-Statue von Primaporta) kann vielleicht mit dem urtümlichen griechischen Uranos identifiziert werden und ist formal dem Atlas Farnese angeglichen.

Der Erde (Gaia) aber brachte zuerst hervor / Gleich weit wie sie selber / Den Himmel (Uranos), den gestirnten, / Dass er sie überall einhülle, / Auf dass er sei den seligen Göttern / Fort und fort Sitz ohne Wanken. / Und sie gebar die weiten Berge, / Der Göttinnen reizvolle Behausungen, der Nymphen, / Die in den schluchtenreichen Bergen wohnen. / Sie gebar aus das unfruchtbare breite Wasser, / Das im Wogenschwall stürmt, das Meer (Pontos), / Ohne verlangende Liebe. / Aber darauf hielt sie Beilager mit dem Himmel / Und gebar den Okeanos, ihn mit seinen tiefen Wirbeln ... / Nach diesen wurde als Jüngster geboren Kronos, / Er, der krummes sinnt, / Der gewaltigste ihrer Kinder. / Der hasste des kraftvollen Vater. / Sie gebar auch die Kyklopen, / Die ein überstarkes Herz zu eigen haben: / Donner und Blitz und den Grellen, / Ihn mit dem gewalttätigen Sinn, / Die Zeus den Donner gaben und den Blitzkeil fertigten .. (Hesiod, Theogonie, 104-158)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin - Depot
Literatur: Lessing 1982

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210

Apoll vom Belvedere

Der Sohn des Zeus und der Leto wird in der Gestalt des Apollon Phoibos mit Helios gleichgesetzt, dem Gott der Sonne und des Lichts.

Gleich aber sagte den unsterblichen Frauen jetzt Phoibos Apollon: / Main sei die liebe Leier und mein der gekrümmte Bogen! / Künden doch werd ich den Menschen des Zeus untrüglichen Ratschluss. / Sprachs und verliess im Schreiten die breiten Strassen der Erde, / Phoibos in wallendem Haar, der Schütze ins Weite. Und alle Göttinnen staunten. Ganz Delos strotzte von goldenem Gepränge ... (Homerische Hymnen, 3, An Apollon, 115f)
Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, B81
Literatur: Lessing 1982, Gärtner 1989, Hoppmann 1998-106f

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211

Zeus von Otricoli

Die eindrucksvolle Kolossalbüste des Zeus bzw. Jupiters in den Vatikanischen Museen ist ein späthellenistische Umbildung des 1. Jhs. v. Chr. nach einer bedeutenden Sitzstatue der Spätklassik um 330 v. Chr.

Mit der Serapis-Kultstatue des Bryaxis sind nicht nur die düstere Majestät und die abgeklärte Ruhe, sondern auch die verhängende, lang herabfallende Haarfülle verwandt. Der Kopf hat viele Bewunderer gefunden, u.a. auch Goethe.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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212

Helios-Bleiblech

Aus einem Mithräum von S. Pricsa (Rom)

Eine Reihe von Inschriften belegen, dass Sol bzw. Helios mit Mithras gleichgesetzt wurde. Andererseits ist er auf vielen Mithras-Denkmälern als Begleiter des Mithras dargestellt. Auch der Heliodromos, der Repräsentant des 6. Weihegrades, lässt sich über die Strahlenkrone mit Helios verbinden. 

Das Blech war ursprünglich wohl in einer Nische untergebracht, von hinten beleuchtet und so zur Steigerung der mystischen Atmosphäre in dem Heiligtum eingesetzt.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin
Literatur:Stemmer 1988, K 23

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213

Sonnengott-Theatermaske

Modernes Tonrelief aus Griechenland nach historischem Vorbild

Mit einer Strahlenkrone umkränzter Sonnengott

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam

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214

Ikaros

Modernes Tonrelief aus Griechenland nach historischem Vorbild

Zusammen mit seinem Vater Daidalos wurde Ikaros von König Minos gewaltsam auf Kreta zurückgehalten. Aus Wachs und Federn fertigte Daidalos Flügel. So konnten beide über die Lüfte fliehen. Doch trotz aller Warnungen des Vaters schwang sich Ikarus auf seinen Flügeln immer höher zur Sonne hin. Das Wachs schmolz, und er fand wegen seines Höhenwahnes den Tod.  In der Astrologie wird allzu grosse Ich-Sucht, Hochmut und Grössenwahn mit  den Schattenseiten des Sonnen-Archetyps in Verbindung gebracht.

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Gärtner 1989

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215

Artemis von Versailles

Der Zwillingsschwester des Sonnengottes Apoll war der Mond heilig. Sie wurde oft mit der Mondgöttin Selene identifiziert.

Lasst uns erzählen zuerst, wie, auf den Knien des Vaters / Sitzend, ein kleines Kind, sie sprach zu ihrem Erzeuger: / „Schenke mir Mädchentum, Vater, für ewige Zeiten, (...) / Schenke mir alles Gebirge. Doch unter den Städten gewähre, / Welche du willst; denn selten steigt Artemis nieder in die Städte; / Auf dem Gebirge wohn' ich, und Städte der Menschen besuch' ich / Einzig zu Zeiten, wenn Frauen, gequält von heftigen Wehen, / Mich als Helferin rufen, da ihnen zu helfen die Moiren / In der Stunde meiner Geburt mir zugelost haben. (Kallimachos, Auf Artemis, 4-25)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik
Literatur: Lessing 1982, Gärtner 1989, Hoppmann 1998-106f

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216

Artemis von Ephesos

2. Jh. n. Ch.

Am Original sind Kopf und die im Abguss fehlenden Hände in schwarzgrünem Marmor gearbeitet; die Turmkrone ist modern ergänzt, eine einfache Mauerkrone darf man jedoch annehmen.
Viele Repliken, die sehr unterschiedlich in der Dekoration sind, gehen aber dennoch auf ein uraltes Kultbild der Artemis vom Ende des 7. Jhs. v. Chr. im Arthemis-Tempel von Ephesos zurück. Allen gemeinsam ist der merkwürdige Schmuck, der meistens an Brüste erinnert, heute jedoch eher als Stierhoden interpretiert wird. Diese Opfergaben dürften also regelmäßig erneuert worden sein.
Auch der übrige Schmuck (wohl in Gold applizierte Greifen-, Pegasos-, Stier-, Panther- und Hirsch-Protomen, ferner geflügelte Rankengöttinnen, Rosetten und Bienen) hat wohl ständig je nach Wohlstand der Stadt gewechselt.
Der Brustschmuck über der Girlande zeigt bei dieser Replik einen von Viktorien bekränzten Taschenkrebs analog zum Tierkreiszeichen Krebs. Andere bekränzte Repliken zeigen einen größeren Ausschnitt des Zodiakos, doch die betonte Festlegung bei dieser Replik auf das Tierkreiszeichen der Sommersonnenwende macht bei einer Göttin wie der Arthemis von Ephesos, die (wie auch die beiden Löwen in den Armbeugen andeuten) der sog. Magna Mater (Grossen Mutter) bzw. Kybele nahesteht, einen besonderen Sinn.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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217

Hekataion

Das kleinformatige, aus drei gleichförmig gestalteten Frauenstatuetten und einer Mittelsäule gebildete Runddenkmal ist der Göttin Hekate gewidmet, die in der Antike als Hüterin der Tore und der Dreiwege, d.h. Strassengabelungen verehrt wurde. Die dreifach plastische Erscheinung der Göttin entspricht den drei Gesichtern des Mondes: Vollmond, Halbmond und Neumond.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, B 49
Literatur: Stemmer 1995-B89

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218

Hekate-Darstellungen

Zeichnung einer römischen Gemme, davor moderne Tonplastik, gebrannt und nach historischen Studien frei gestaltet von einer modernen Künstlerin.

Als ehemalige Allgöttin aus matriarchalen Zeiten trug Hekate ursprünglich die Züge einer Magna Mater (Grossen Mutter). In Thessalien, einem klassischen Hexenland bereits seit der Antike, war sie bereits im 5. Jahrhundert als Mondgöttin sehr populär. Launisch hiess man die Göttin der Luna. Auf ihren Erd- und Unterweltscharakter weisen Attribute wie Schlange und Fackel hin. Des Nachts schwärmte sie auf Kreuzwegen, dreiköpfig mit drei Händepaaren, entsprechend der drei Phasen des Mondes. Eine der vielen Erscheinungsformen der Hekate ist die Baubo, eine „erdgeborene und himmlische ... Göttin des dreifachen Kreuzweges, Königin der Nacht ... Freundin und Gefährtin der Finsternis ... Mond der tausend Formen ... Schrecken der sterblichen ... nach Blut dürstend“. Genau wie Diana, die jagende Mondgöttin, ritt Baubo auf einem Schwein, heiliges Kulttier archaischer Zeiten. Als Teil eines religionsgeschichtlichen Prozesses, in dessen Verlauf ehemals heilige Tiere dämonisiert wurden, vollzog sich ein Bedeutungswandel.

Sammlung Hoppmann. Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1998-95f

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219

Herme

Götterstatue in Häusern und an Wegesgabelungen, röm. 2. Jh. n. Chr. 

Auf dem Hermenschaft befindet sich die Inschrift: „Du wirst erkennen, dass dieses des Alkamenes sehr schöne Bild, der Hermes vor dem Tore, ist, aufgestellt von Pergamios“. Darunter befindet sich die Maxime: „Erkenne Dich selbst“. Der der römischen Planetengott Merkur entsprechende griechische Götterbote Hermes symbolisiert Intellekt und Kommunikationsfähigkeit.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, B 48 
Literatur: Stemmer 1995-B48

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220

Darstellungen von Hermen

Abbildung einer archaischen Vasenzeichnung aus Syrakus, davor eine moderne Tonplastik, gebrannt, nach historischen Studien frei gestaltet.

Merkur, dem Tierkreiszeichen Zwillinge zugeordnet, galt im alten Rom als Gott der Händler und Diebe. Oft stellte man ihn mit geflügeltem Helm dar, in knabenhafter Adonisgestalt mit Kinderpenis. 
Dass Hermes, der griechische Vorläufer des römischen Merkur, ursprünglich als Potenzprotz dargestellt wurde, gab bereits dem antiken Geschichtsschreiber Herodot Rätsel auf. Standbilder mit Männerköpfen und einem glatten Sockel, aus dem nichts als ein gewaltiger, erigierter Penis herausragt, übernahmen nach seiner Ansicht die Griechen von den Pelasgern, aus den ithyphallischen Götterbildern im Kabirenkult auf Samothrake.
Erste Abbildungen auf Vasen finden wir im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Aus Stein gehauene Hermen schmückten die Innenhöfe der Griechen, standen an Weggabelungen und auf Grabmälern. Damals stellte man den Gott des Intellekts noch unkastriert dar: Ein Penisträger - deutlich sichtbar.

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1998-75

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221

Hermes mit Dionysos

Olympia, 4. Jh. v. Chr.

Zeus wollte sich mit Semele (Tochter des Kadmos) verbinden; als dies Hera erfuhr, verwandelte sie sich in die Amme Beroe, kam zu ihr und überredete sie, von Zeus zu wünschen, dass er in derselben Aart wie zu Hera zu ihr käme: „Damit du merkst“, sagte sie, „wasw für eine Lust es ist, bei einem Gotte zu liegen.“ Daher bat Semele Zeus, so zu ihr zu kommen. Ihr Wunsch wurde ihr erfüllt, Zeus kam mit Blitz und Donner, und Semele ging in Flammen auf. Aus ihrem Leib wurde Dionysos geboren. Hermes entriss ihn dem Feuer und gab ihn dem (Silen) Nysos zur Erziehung. Darum heisst er Dionysos. (Hygin, Fabeln, 179)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin
Gärtner 1989, Hoppmann 1998-7

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222

Asklepios

römisch nach griechischem Vorbild

Der Sohn des Apoll und der Koronis wurde zum Gott der Heilkunst. Sein von einer Schlange umwundener Knotenstock hat starke Ähnlichkeiten mit dem geflügelten Schlangenstab Caduceus des griechischen Hermes bzw. römischen Merkur. Der Äskulapstab als noch heute von der Ärzteschaft benutztes Symbol erinnert an die bis in die frühe Neuzeit bei Medizinern ausgeübte Kunst der Iatromathematik, der astrologisch orientierten Heilkunst.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, V 400
Literatur: Hoppmann 1998-75

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223

Hermes/Merkur mit Caduceus

Relief mit Inschrift THEOY AGATH[OY]

Die Inschrift bleibt schwer leserlich und unverständlich, evtl:  "[Bildnis] des guten, [d.h. für das Glück zuständigen] Gottes."

Das Relief wurde im 19. Jahrhundert als vermutliche Fälschung einer Antike  ausgelegt. Die eigentliche Entstehung könnte aber wohl auch in die Spätrenaissance bzw. den Frühbarock gelegt werden.  In jener Zeit wurde die Symbolik der Antike oft gemäß den magisch-hermetischen Vorstellungen z.B. der Rosenkreuzer oder Freimaurer synkretistisch verwendet, in freier Kombination ohne zwingende Orientierung an früheren Bedeutungsinhalte. Das Relief ähnelt auf diese Weise den Bildprogrammen damaliger Tarotkarten. 

Der schafsköpfige Hermes/Merkur hält in der einen Hand den mit Schlangen umwundenen und geflügelten Caduceus-Stab, in der anderen eine Weltkugel, darüber regelmäßige geometrische, eventuell der Alchemie  zuzuordnende Formen.  Die Figur steht auf einer Eidechse (Streben zum Licht) bzw. einem Drachen (dämonische Macht), nutzt bzw. besiegt die damit in Verbindung gebrachte Kraft. Der Stierkopf bildet in seiner irdischen Vierschrötigkeit einen Kontrast, der die Behendigkeit des Merkur/Hermes nur noch stärker hervorhebt. 

Nach Auffassung des Psychologen und Astrologie-Protagonisten C.G. Jung entspricht der Archetyp des Merkur/Hermes dem "Trickster", dem Puer aeternus, dem spielerisch-intellektuellen, ewig jugendlichen bleibenden Anteil der menschlichen Seele.

Aus der griechischen Mythologie: 

Maia, die älteste Atlas-Tochter, die sich mit Zeus einliess, gebar in einer Höhle von Kyllene den Hermes. Als dieser noch in den ersten Windeln lag, kroch er schon heraus und machte sich auf nach Pierien, wo er Rinder stahl, die Apollon weidete. Um nicht durch ihre Fussspuren entdeckt zu werden, wickelte er ihnen Lappen um die Füsse und trieb sie nach Pylos. Die andern versteckte er in einer Höhle, nur zwei schlachtete er und hängte die Häute an Felsen auf. Das Fleisch kochte er zum Teil und verzehrte es, das andre verbrannte er. Dann kehrte er rasch nach Kyllene zurück. Vor der Höhle fand er eine Schildkröte auf Nahrungssuche. Er nahm sie aus, indem er Därme von den geschlachteten Rindern über den Hohlraum spannte, stellte er eine Leier her und erfand dazu auch gleich das Schlagholz. Auf der Suche nach den Rindern kam Apollon nach Pylos und erkundigte sich bei den Einwohnern. Sie hätten wohl einen Knaben mit Rindern gesehen, sagten sie, wüssten aber nicht anzugeben, wohin er sie getrieben habe; denn sie könnten keine Fussspuren mehr finden. Doch ermittelte Apollon den Dieb dank seiner Seherkunst, worauf er sich nach Kyllene zu Maia begab und Hermes beschuldigte. Da zeigte sie ihn noch in den Windeln. Doch nahm ihn Apollon mit zu Zeus und verlangte die Rinder zurück. Obwohl Zeus ihn zur Herausgabe aufforderte, stellte er den Diebstahl glatt in Abrede. Doch fand er damit keinen Glauben, und so führte er schliesslich Apollon nach Pylos und gab die Rinder zurück. Als aber Apollon die Leier hörte, gab er dafür die Rinder. Beim Weiden der Rinder wiederum verfertigte sich Hermes eine Hirtenflöte und blies darauf. Apollon wollte auch diese haben und dafür den goldenen Stab geben, der er für das Rinderhüten bekommen hatte. Damit war Hermes wohl zufrieden, nur wollte er für die Hirtenflöte noch die Seherkunst dazu haben. So gab ihm jener den Stab und unterwies ihn ausserdem im Weissagen mit Steinchen, und Zeus bestellte ihn als seinen und der unterirdischen Götter Boten. (Apollodor 3, 111-112 )

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, Depot SW/FH1973
Literatur: Lessing 1982, Hoppmann 1998-89f 

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224

Merkur-Statuette

Einzelguss-Replik, Original aus Bronze, 1. Jh. v.Chr. , Vorlage Staatl. Museen Berlin

Merkur, der römische Gott des Handels und Handelswerts, ist die Umsetzung des griechischen „Allzweck“-Gottes Hermes in das Denken des römischen Weltreiches. Schon früh errichtete man ihm Tempel, wurde sein Beistand erbeten. List und Behändigkeit, die Kunst der leichten Rede und des Schlichtens, Schalk und Kenntnis des menschlichen Schwächen wurden ihm als Attribute zugeschrieben.

Im Homerischen Hymnus auf Hermes, der im Mittelalter mit dem Planetengott Merkur gleichgesetzt wurde, heisst es: „Hermes pflegt mit sämtlichen Menschen und Göttern Gemeinschaft. Nutzen zwar stiftet er wenig; unendlich dagegen betrügt er in dem Verlauf der finsteren Nach die sterblichen Menschen."

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via Firma Carl E. Schünemann, Bremen
Literatur: Hoppmann 1997-97 und 1998-89f

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225

Venus von Frejus

Die Mythen der griechischen Aphrodite wurden auf die römische Venus übertragen. Nach einem Orakelspruch, den man im Jahre 217 v. Chr. den Sybillischen Büchern entnommen hatte, wurde sie die Göttin des Liebreizes Gefährtin von Mars, den Gott der Krieges.

Ares Liebe besang und Aphroditens der Meister, / Wie sich beide zuerst in Hephaistos' prächtiger Wohnung / Heimlich vermischt. Viel schenkte der Gott und entehrte des hohen / Feuerbeherrschers Lager. (...) / Ares schlummerte nicht, der Gott mit goldenen Zügeln, / Als er verreisen sahe den kunstberühmten Hephaistos. / Eilend ging er zum Haus des klugen Feuerbeherrschers, / Hingerissen von Liebe zu seiner schönen Gemahlin. / Aphrodite war eben von mächtigen Vater Kronion / Heimgekehrt und sass. Er aber ging in die Wohnung, / Fasste der Göttin Hand und sprach mit freundlichen Stimme: / Komm, Geliebte, zu Bette, der süssen Ruhe zu pflegen! / Denn Hephaistos ist nicht daheim ... / Also sprach er, und ihr war sehr willkommen die Ruhe ... (Homer, Odyssee, 8, 267f)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, D2
Literatur: Lessing 1982, Gärtner 1989, Hoppmann 1998-73f

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226

Ares Borghese

Römische Marmor-Kopie des bronzenen Kultbildes im Arestempel auf der Athener Agora, um 420 v.Chr. vom Bildhauer Alkamenes gefertigt.

Das halblange Haar und der Fußring geben dem Gott etwa Fremdes und weisen ihn als Thraker aus. In augusteischer Zeit wurde Gaius Caesar, der Adoptivsohn des Kaisers, als "Neuer Ares" bzw. Mars verehrt. Die gesenkte Kopfhaltung mildert den kriegerischen Aspekt des Gottes und lässt ihn fast nachdenklich erscheinen.

Ursprünglich ein alter Vegetationsgott (Mars Silvanus), der Menschen, Tieren und Feldern Fruchtbarkeit schenken konnte, war Ares auch verantwortlich für Unheil und Verwüstung, schenkte das Kriegsglück und begleitete die Soldaten. Als Kriegsgott wurde er mit dem griechischen Ares identifiziert, galt fortan als Geliebter der Venus, wie zuvor Ares als Geliebter der Aphrodite galt. Kaiser Augustus baute auf dem Forum Augustum einen Tempel für Mars Ultor, den Rächer (des Mordes an Caesar).

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, B 74
Literatur: Lessing 1982, Gärtner 1989, Hoppmann 1998-57f

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227

Jupiter Dolicheus

Dieser Gestirnsgott tritt erst in römischer Zeit in Erscheinung.

Bis dahin war er lediglich der örtliche Gott des Heiligtums von Doliche, einer kleinen Stadt in der heutigen Osttürkei. Zahlreiche Anhänger des Jupiter Dolicheus waren Soldaten des kaiserlichen Heeres, ferner besonders Sklaven, Händler und Beamte, die alle durch ihren Beruf aus ihrer Heimat herausgerissen wurden. Jupiter Dolicheus war aber nicht nur ein Erhalter der Welt und Schützer des Staates, er gab auch den ganz persönlichen Wünschen seiner Anhänger Gehör. Man rief ihn für das eigenen Wohlergehen und das seiner Lieben an, er heilte Krankheiten zusammen mit dem Heilgott Asklepios, und nicht wenige Frauen zählten zu seinen Anhängern. Der Kult des „römischen Soldatengottes“ Jupiter Dolicheus endete mit der Einäscherung des Hauptheiligtums Mitte des 3. Jh. n. Chr. im Euphratgebiet durch einfallende Sassaniden.

"Als Rheia von Kronos den Zeus gebar, bat Hera, sie möchte ihn ihr überlassen; hatte doch Kronos den Hades unter die Erde und den Poseidon unter die Meereswellen verstossen, weil er wusste, wenn ein Sohn von ihm da sei, dem sei es bestimmt, ihm die Herrschaft zu entreissen. Als er aber Rheia fragte, wo das Kind sei, das sie geboren habe, zeigte sie ihm einen umwickelten Stein: Kronos verschlang ihn. " Hygin, Fabeln, 139

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, VII 588
Literatur: Speidel, Limesmuseum Aalen, 1980

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228

Gemma Augustea

Mit dem Symbol des Steinbock in Form des Fischbockes wies Kaiser Augustus auf die astrologische Bedeutung seiner Geburt hin. Zu seinem Emblem machte er die Sphinx.

Das Bildprogramm zeigt die astrologische Legitimation der Weltherrschaft des Augustus. Er thront in der Mitte, umgeben von seinen Nachfolgern Tiberius (bekränzt) und Germanicus (Reiter).  Neben Augustus thront ihm zugewandt Roma, zu seinen Füßen Jupiters Adler, hinter ihm mit Füllhorn und zwei Knaben die Erdgöttin Tellus, dann als Greis Saturn/Chronos, Oikumene mit Mauerkrone als Personifikation der bewohnten Welt. 

Oben zwischen Augustus und Roma auf der Sonnenscheibe das Tierkreiszeichen Steinbock in der alten Form des Fischbocks, dahinter ein Stern mit flacher Ritzung, vielleicht als Andeutung auf dem in Caesars Todesjahr erschienenen Kometen. Auf einem herabhängenden Schild ist ein Skorpion als Geburtszeichen des Augustus-Nachfolgers Tiberius eingraviert. Zwei halbnackte, bartlose Gestalten könnten das Tierkreiszeichen des Germanicus, die Zwillinge, repräsentieren. 

Als Augustus gezeugt wurde, stand die Sonne im Zeichen Steinbock, bei seiner Geburt zur Herbst-Tagundnachtgleiche  zwischen Jungfrau und Waage -  so jedenfalls lautete damals die höchstoffizielle Version.  Astrologisch und astronomischs legitimierte man seinen göttlichen Herrschaftsanspruch auch durch Prägung von Münzen mit diesem Zeichen. In diesem Zusammenhang ist auch die monumentale Sonnenuhr am Rande des römischen Marsfeldes zu sehen: Der Schatten des Gnomon fiel am offiziellen Geburtstag des Kaisers exakt auf die dortige Ara Pacis, einem Friedensaltar. 

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, VIII 900
Literatur: Knappich 1967-80f/96f, sowie Fleckner, Uwe u.a. (Hrsg.): Aby. M. Warburg - Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde. Hamburg 1993

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229

Augustusstatue von Primaporta

Das Bildprogramm auf dem Brustpanzer des astrologiegläubigen römischen Kaisers zeigt unter anderem den Sonnengott Sol/Helios mit seinem Vierergespann, vor dem Aurora, die Göttin der Morgenröte, mit einer Taukanne voranschreitet, auf ihren Flügeln die Mondgöttin Luna bzw. die Göttin Venus als Morgenstern tragend. Über allem breitet der Himmelsgott Caelus sein Zelt aus. Zu beiden Seiten der Hauptszene erscheinen die persönlichen Schutzgötter des Augustus: Apoll für die Sonne und Diana/Artemis für den Mond, sowie zwei wie Wächter angeordnete Sphingen.

Kaiser Augustus wurde im Tierkreiszeichen Steinbock geboren, liess dieses Zeichen auch auf Münzen und seiner Gemma Augustea abbilden. Zu den Charakteristiken dieses Tierkreiszeichens gehören Bescheidenheit und Selbstdisziplin, verbunden mit absolutem Führungsanspruch -Qualitäten, die in der Ära des Augustus zuum Herrschaftsideal erhoben wurden und sich auch in der Gesamtgestaltung der Statue wiederfinden.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, VIII 5
Literatur: Stemmer 1988-D36, Faltblatt VIII 5 der Abguss-Sammlung

 

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230

Kairos

Relief nach Original von Lysipp, 2. H. d. 4. Jhs. v.Chr.

Wir alle werden durch die Zeit geboren und vergehen mit ihr auch wieder. Kronos/Saturn hält auf alten Drucken die Sichel des Kastrierers bzw. die Sense des grossen Schnitters in der Hand, welcher die Kornähren des Lebens mäht. Im Horoskop bezeichnete er den Punkt grössten Unglücks, von Armut, Krankheit und Gefängnis. Es ist damit auch der quantitative Aspekt der Zeit gemeint, die Minuten, Stunden, Tage und Jahre, mit denen die eigene Lebenszeit unerbittlich zerrinnt. Wer sich seine Vergänglichkeit verdeutlicht, die zur Verfügung stehenden Kräfte bewusst einteilt und Selbstdisziplin übt, kann Grosses leisten. 
Zu den Schattenseiten von Kronos, dem stets gleichförmigen Zeitbegriff, gehören die stupiden Dogmen der Konvention, ewig gleiche Handlungsabläufe und stets aufs neue zu absolvierende Pflichten, die völlig unabhängig vom individuellen Lebensrhythmus zu bewältigen sind. Seine alte Zuordnung zum Zeichen Wassermann weist auf grosse geistige Konzentrationskraft hin, aber auch auf konservative und bewahrende Charakterzüge.
Uranus steht für die Qualität der Zeit, ihre subjektiv empfindbare Eigenheit, und ist heutzutage diesem Zeichen zugeordnet. Es heisst, dass Wassermanngeborene extreme Differenzen zwischen ihrem inneren Rhythmus und den äusseren kontinuierlichen Zeitvorgaben erleben. Zeiten tiefer Lethargie wechseln sich ab mit Momenten konzentrierten Erlebens, in denen blitzartig viele Handlungsfäden zusammenlaufen. Solche Charaktere fühlen sich erst dann frei, wenn sie nach ihrer inneren Uhr leben können - und diese wirklich starken Schwankungen unterliegt.
Saturn/Kronos als Quantität und Uranus als Qualität der Zeit - gebündelt werden sie in Kairos, dem rechten Moment. Dieser alte griechische Begriff wurde im Mittelalter hauptsächlich für die Alchemie benutzt. Er bezeichnete die astrologisch richtige Zeit, zu der ein chemisches Experiment gelingen kann. Arbeitete man z. B. mit Quecksilber (Mercurius), dann musste der hierzu analoge Planet Merkur günstig stehen. Kairos ist also der rechte Moment, Brennpunkt saturniner Quantität und uranischer Qualität der Zeit. 

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin
Literatur: Hoppmann 1998-16f/20/25

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231

Kentauren auf Oscillum

Diese Fabelwesen, halb Mensch und halb Pferd, sollen von jener Wolke stammen, die Heras Gestalt angenommen hat, als der Lapithenkönig Ixion die Herrin der Götter verführen wollte. Ob ihrer halb göttlichen und halb tierischen Gestalt können die Kentauren aber auch als Mischwesen, als Resultat der Vereinigung von Himmels- und Erdgöttern angesehen werden.

Dass doch - wünscht' ich - Chiron, der Philyra Sohn / Wenn es ziemt, mit unserer Zunge den Wunsch, den / allgemeinen kundzutun / noch lebt, der längst schon verschied, / Kronos', des Uranossohnes, weilwaltender Spross / Herr wär als rauhes Halbtier in des Pelion Geklüft, / Holdgesinnt den Menschen! Er zeigt' es, als einst er aufzog der / Schmerzstillung freundlichen Meister: / den gliederstärkenden, Asklepios, / Heros und Helfer bei aller Art von Krankheit ... (Pindar, Dritte pythische Ode, 1-7; 47-53)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, VIII 496
Literatur: Lessing 1982, Gärtner 1989, Stemmer 1988-D54/55, Hoppmann 1998-16

 

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232

Portrait einer Römerin als Urania

Diese Skulptur entstand in der Zeit, als Julia Domna, die Ehefrau des römischen Kaisers Septimius Severus, in Rom als Förderin der Astrologie bekannt wurde.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, D 30
Literatur: Stemmer 1995-D30, Hoppmann 1998-16f

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233

Musensarkophag mit Urania 

Die Sarkophagfront zeigt insgesamt elf Figuren: 

Die neun Musen und links Apollon und Athena. (...) Die erste Muse ganz links ist Erato (Muse der Liebesdichtung, mit Leier), die dritte Polyhymnia (Tanz und Pantomime, charakteristisch für ihre Darstellung ist das Aufstützen auf einem Felsblock), neben ihr Urania (Astronomie, Weltkugel), die siebte Melpomene (Tragödie, tragische Maske), anschliessend Thalia (Komödie, komische Maske), ganz rechts Terpsichore (chorische Lyrik, grosse Leier).

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, L 4
Literatur: Stemmer 1988-L4

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234

Athene-Weihrelief 

Relief 

Und Zeus, der Götter König, nahm zur ersten Gemahlin / Metis (die Klugheit), Sie, die das Meiste unter den Göttern wusste / Und den sterblichen Menschen. / Doch als sie nun gebären sollte die Göttin, Die strahlenäugige Athene, Da hinterging er mit List ihren Sinn, In schmeichelnder Rede, Und tat sie hinein in seinen Leib, nach der Erde Rat und auch des Himmels, des gestirnten; / So nämlich rieten sie's ihm, Auf dass nicht das Königsamt / ein anderer ergreife statt Zeus, Über die Götter, die fort und fort Seienden (...) Zeus jedoch kam dem zuvor / Und tat sie hinein in seinen eigenen Leib, Auf dass mit ihm vereint die Göttin dächte / Und riete Gutes wie Schlimmes. (Hesiod, Theogonie, 886-900)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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235

Athena Parthenos

Die grosse Statuette aus dem 2. Jh. n. Chr. ist eine Verkleinerung der berühmten Athenastatue des Phidies im Partheon auf der Athener Akropolis. Diese war 12 m hoch und aus Gold und Elfenbein um einen Holzkern gearbeitet worden, zwischen 447 und 438 v.Chr.

Als Hephaistos`Künste schufen, Dass unter ehernem Beil Athene des Vaters Haupt hoch oben entsprang / Und im Sprung Kampfgeschrei schallen liess langdauernden Rufs. / Uranos erschrak vor ihr und Mutter Gaia. (Pindar, Siebte olympische Ode, 35-38)

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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236

Athene und Poseidon

Moderner griechischer Kunstdruck nach historischer Vorlage.

Vermutlich geht mythologische Entwicklung Athenes zurück bis auf libysche Wüstenmädchen, deren Volk nach Vertreibung durch Ägypter nach Kreta emigrierten. Lange Zeit nur minoische Hausgöttin, stieg sie nach dem Sieg der attischen Kultur zur Hausgöttin Athens auf, wachte an der Seite des Meeresgottes Neptun über das Schicksal dieser streitbaren Seemacht.  

Die Mythologie um den Meeresgott Neptun wird seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Astrologie bei der Interpretation von Horoskopstellungen des gleichnamigen Planeten verwendet. Die Mythologie der dem Himmelgott Jupiter aus dem Haupt entsprungenen Göttin Athene bringt die moderne, feministisch orientierte Astrologie mit dem Tierkreiszeichen Wassermann in Verbindung. 

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam

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237

Poseidon-Maske

Modernes Tonobjekt aus Griechenland. Vorbild ist die 1928 vor dem Kap Artemision gefundene, ca. 2 m hohe und 120 kg schwere Bronzestatue, die dem antiken Bildhauer Kalamis zugeschrieben wird.

Denn wir sind drei Brüder, die Kronos zeugte mit Rheia: / Zeus, ich selbst und Ais, der Unterirdischen König. / Dreifach geteilt ward alles und jeder gewann von der Herrschaft. / Mich nun traf's, beständig das graue Meer zu bewohnen, Als wir gekost; den Hades traf das nächtliche Dunkel, Zeus dann traf der Himmel umher in Äther und Wolken ... (Homer, Ilias, 15, 187-192)

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam

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238

Die Apotheose Homers

Das späthellenistische Relief des Bildhauers Archelaos von Priene zeigt den Götterberg Olymp: 

Ganz oben ruht mit Adler und langem Szepter Göttervater Zeus auf felsigem Grund, etwas tiefer steht seine Gattin Hera mit über den Kopf gezogenem Mantel. In zwei Geländeregistern sind die neun Musen gruppiert.

Urania, die Muse der Astrologie und Astronomie, steht vor einem Himmelsglobus, auf den sie mit der Rechten deutet.  Etwa in der Mitte spielt Apollon im langen Gewand des Sängers die Kithara in einer Grotte; rechts davon ist auf einer Basis die Ehrenstatue eines unbärtigen Dichters (also wohl nicht Homer) aufgestellt. Am Fusse des Berges wird in einem Heiligtum Homer , dem Dichter der "Ilias" und der "Odyssee" , geopfert und werden Hymnen gesunden. Eine Stadtgöttin, vielleicht von Alexandria oder dessen ionischer Vaterstadt, legt ihm die Heroenbinde ums Haupt.

Die Musen wiederholen die berühmte Musengruppe des Philiskos und datieren das Relief somit auf die Zeit nach 130 v. Chr.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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239

Mithras-Relief

230 n.Chr. Das grosse Relief zeigt an zentraler Stelle die immer wieder abgebildete wichtigste Tat des Gottes Mithras, die Tötung des mystischen Urstieres:

Die jugendliche Gestalt in orientalischem Gewand mit phrygischer Mütze und wehendem Mantel kniet auf dem zusammenbrechenden Stier. Mit der linken Hand greift Mithras in die Nüstern des Stieres und reisst dessen Kopf empor, während die rechte mit dem (verlorenen) Dolch den entscheidenden Schlag gegen den Hals des Tieres führt. Das aus dem Schwanz des Stieres Ähren wachsen, weist darauf hin, dass die Tötung des Stieres von den Änhängern des Kultes als Heilstat empfunden wurde, aus der neues Leben entstand.
An den Rändern der zentralen Darstellung sehen wir (...) die am Boden kriechende Schlange, die sich zu einem Mischgefäss emporwindet, in dem sich das Blut des Stieres sammelt und aus dem von der anderen Seite ein Löwe trinkt; der Skorpion, der sich in die Hoden des Stieres verbeisst (...). Über der Darstellung wölbt sich ein Zodiacus, die Darstellung der Tierkreiszeichen, die gleichzeitig als Symbol für den Himmelskörper diente und dem Geschehen einen kosmischen Aspekt verlieh. Darüber befindet sich eine dreigestaltige Darstellung: in der Mitte eine Versammlung der olympischen Götter um den thronenden Juppiter; links der Gott Sol mit dem Sonnengespann und rechts Luna auf der Mondbiga.
Auf der Sockelleiste des Reliefs ist ein Inschrift angebracht: „D(eo) S(oli) M(itrae) M[er]caterius Castr[e]nsis in suo const(ituit)“ („ Dem unbesiegten Sonnengott Mithras hat es Mercatorius Castrensis auf seinem Privatgrundstück aufgestellt).

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin, B 85
Literatur: Stemmer 1995-B85

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240

Diorama eines Mithras-Heiligtums

Modell eines Kultraumes in Ostia, 2. Jh. n.Chr.

Manche glauben, dass astrologisches Gedankengut vom Christentum übernommen, aber kultiviert und weiterentwickelt, letztlich durch den christlichen Glauben überwunden wurde. Eine entgegengesetzte Meinung ist, dass das Christentum, sobald es zur römischen Staatsreligion erklärt wurde, massiv den alten Mithraskult unterdrückte und damit seine eigenen esoterischen Wurzeln verleugnete.  Tatsache ist auf jeden Fall, dass oft gerade dort, wo der alte astrologische Kult des Sonnengottes Mithras seine unterirdischen Kultstätten hatte, die ersten christlichen Kirchen erbaut wurden. 
Aus dem Original-Begleittext von Aby Warburg, 1930: „Der Gottesdienst der Mithrasgläubigen wurde in natürlichen oder künstlich angelegten Grotten, sogenannten Mithraeen, gefeiert. Das Modell zeigt eine solche Kultstätte des Gottes. Die Decke des Raumes ist mit Sternen geschmückt. Am Boden sind Kreisbögen, die die Planetenkreise bedeuten, an den Seiten die Bilder der Planetengötter. An den Bänken, auf denen die Gläubigen knieten oder lagen, sind die Bilder der Tierkreiszeichen. Die Mithrasgläubigen hofften, dass sie nach dem Tode von ihrem Kultgott Mithras durch die Reiche der Planetengötter in den obersten Himmel geleitet werden würden. So sollte schon auf Erden der Gläubige, beim Kult im Mithrasheiligtum von Planetenkreis zu Planetenkreis fortschreitend, gleichsam geläutert aufsteigen...“

Planetarium Hamburg, Warburg-Ausstellung
Literatur: Hoppmann 1997-112 und 1998-32

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241

Kalenderfries mit 12 Zodiakalzeichen

Athen Kirche Hagios Eleutherios

Der berühmte Kalenderfries, der in seiner Datierung sehr umstritten ist (3. Jh. v. bis 3. Jh. n.Chr. - am ehesten wohl im späten Hellenismus entstanden). stammt von einem anderen Bauwerk und ist wohl im 11. Jahrhundert in die byzantinische Kirche verbaut worden. Erhalten sind nur 10 Tierkreiszeichen, die für die entsprechenden griechischen Monate stehen. Es fehlen Wassermann (Gamelion = Januar/Februar) und Fische (Anthestherion = Februar/März). Das später eingemeisselte Kreuz steht an Stelle des Stieres. Zwischen die Zodia stehen insgesamt 40 Figuren, welche die für die jeweiligen Monate charakteristischen Festtage personifizieren.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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242

Pantheon in Rom

Fotografie eines Gipsmodell für eine Ausstellung zu Architekturmodellen der Renaissance

Zweifelsohne stellt die Kuppel des im Jahre 121 unter Kaiser Hadrian erbaute und „allen Göttern“ (pan theoi) gewidmete Tempel das Himmelsgewölbe dar, die fünf konzentrischen Kreise der Kassettendecke die Bahnen der fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Die beiden leuchtenden Wandelsterne Sonnen und Mond figurieren am Tag bzw. des Nachts durch den Oculus, die grosse kreisförmige Öffnung in der Kuppelmitte.
Zugleich lassen aber andere architektonische Elemente wie z.B. die Verwendung von Marmorplatten aus allen Provinzen des damaligen römischen Reiches für den Boden des Gebäudes darauf schliessen, dass das Gebäude der Darstellung imperialer Macht diente.
Liesse sich definitiv klären, welche Statuen in den noch vorhanden Nischen standen, so wäre damit auch die Frage beantwortet, in welchem Masse der Bau dem Gestirnkult diente, ob er als Tempel oder Regierungspalast diente.

Kunstbibliothek der Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Berlin
Literatur: Stirlin 1988, sowie Vortrag von Dr. Martini am 27.4.99 in Berlin

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243

St. Hedwigs Kathedrale

Fotografie

Fast gleichzeitig mit dem Baubeginn am Palais wurde 1747 der Grundstein für die Hedwigskirche gelegt. Mit diesem Kirchenbau verwirklichte Friedrich II. ein lange gehegtes Lieblingsprojekt. Wie der Verfasser nicht immer glaubwürdiger Memoiren, der General Dieudonné Thiébault (1769 - 1846) überlieferte, trug der König sich schon früh mit dem Gedanken, "nach dem Vorbild der alten Römer in seiner Hauptstadt ein Pantheon zu errichten, dass allen Religionen gewidmet sey und wo jede in ihrer Reihe ausgeübt werden sollte". Ihm schwebte  dabei von Anfang an die runde Grundrissform als die vollkommenste für den Kirchenbau vor, und die Nachbildung des römischen Pantheon, wie sie in der friderizianischen Architektur zwischen 1745 und 1750 sowohl im Marmorsaal von Sanssouci als auch im Potsdamer Kirchenbau zu finden ist... (Badstübner-Gröger)

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via St.Hedwigs-Kathedrale Berlin
Literatur: Bastübner-Gröger, in Schnell, Kunstführer Nr. 1900

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244

Rotunde Altes Museum

Fotografie. Schinkel hat nach dem Modell des römischen Pantheon einen Raum geschaffen, in den sich der Besucher auf die ausgestellten Kunstwerke einstimmen kann.

Ähnlich wie vermutlich einst auch im römischen Bau sind Skulpturen der Planetengöttern zu sehen. Auf fünf übereinander gelegten Bahnen gestalten Kassetten die Decke, in die die zwölf Tierkreiszeichen gemalt sind. All dies spiegelt den Anspruch des Architekten wieder, die „Antike in ihren geistigen Prinzipien festzuhalten und zugleich auf die Bedingungen einer neuen Weltperiode zu erweitern.“ (Cullen/Stockhausen)

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Cullen/Stockhausen 1998

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245

Neue Reichstagskuppel

Fotografie

Die ursprünglich nicht von Sir Norman Foster geplante Reichtagskuppel erinnert in ihrer Konstruktion an das römische Pantheon. Hier wie dort krönt eine zum Himmel hin weit offene Kuppel ein zur weltlichen Machtausübung bestimmtes Gebäude, erinnern die versetzten Kreisbahnen im Kuppelinneren an die Sphären, die imaginären Kreisbahnen der Planeten. Ob der Architekt einen ähnlichen Anspruch an sein Bauwerk stellt wie fast zwei Jahrhunderte zuvor sein damaliger Kollege beim Bau des Alten Museums? 

Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via Papier Kult, Silke Janson, Berlin

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246

Dioskuren

Der Mythos des Tierkreiszeichens Zwillinge:

Die Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes hatten die gleiche Mutter, aber unterschiedliche Väter: der eine den König von Sparta und der andere den Göttervater Zeus. Als der sterbliche Kastor im Kampf fiel, musste er in die Unterwelt, den Hades. Pollux hingegen wurde von Zeus in den Götterhimmel Olymp geholt. Fortan wechselten sich die unzertrennlichen Zwillinge in ihren Aufenthaltsorten ab.  So viel Bruderliebe imponierte den Göttern, und sie ließen die Zwillinge am Himmel zum Sternbild werden , weshalb diese meistens mit einem Stern auf ihren Köpfen dargestellt werden.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

LIteratur: Gärtner 1989

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247

Löwe von Kommagene

Grabmal des Königs Antiochos I. (98-34 v.Chr.)

Diese Bilddarstellung des Horoskops auf dem Nemrud Dagh im kleinasiatischen Taurus-Gebirge zeigt eine Mondsichel unterhalb des Löwenkopfes, entsprechend der Gestirnskonstellation vom 7. Juli 62 v.Chr. Zwei Tage nach Neumond erscheint die erste Mondsichel im Tierkreiszeichen Löwe, direkt neben den Planeten Mars und Merkur sowie dem Fixstern Regulus.
Rechts neben der Fotografie eine moderne Horoskopberechnung auf dieses Datum, darunter die astronomische Konstellation.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin

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248

Moderne Tierkreiszeichenkacheln

12 Abgüsse neuzeitlich-spanischer Reliefs