Exponate III.: Thementafel Himmlische Künste, Sandro Botticelli: Geburt der Venus, Venus-Statuette, Leonardo da Vincis Abendmahl, Martin Schaffner: Tischplatte für Asymus Stedelin, Lucas Cranach d. Ä.: Der Sterbende [1518], Prämonstratenserkreuz im Dom zu Havelberg, Christus mit Evangelistenzeichen, Drei heilige Könige und der Stern von Bethlehem, Hans Holbein: The Ambassadors, Albrecht Dürer: MELENCOLIA I , Tilmann Stella von Siegen: Landtaffel, Nebensonne, Beschreibung astronomischer Geräte, Tycho Brahes Instrumente, Thementafel Planetenmusik, PLANISPHERIVM PTOLEMAICVM, PLANISPHERIVM COPERNICANVM, PLANISPHERIVM BRAHEUM, COELI STELLATI CHRISTIANI, SITVA TERRAE CIRCVLIS, Sternenbeobachtung Tycho Brahes, Mondgöttin der Barockzeit, Giovanni de Vecchio: Sala del Mappamondo [1574] , Sandro Botticelli (1445-1510): Venus und Mars
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Thementafel Himmlische
Künste“Wann endlich werden die Kunsthistoriker die Astrologie als Pflichtfach in ihre Studien aufnehmen?“ fragte Erich von Beckerath. Hinzuzufügen sei, dass zumindest jene Astrologen, die Bilder interpretieren, auch kunstgeschichtliche Kenntnisse haben sollten. Beides kommt heutzutage recht selten vor.
Klassisches Beispiel für eine Fehlinterpretation ist der Stich Flammerions. Er wird heutzutage oft gedruckt mit der Angabe ‘Mittelalterlicher Holzschnitt’. Tatsächlich erst Ende des 19. Jhs. entstanden zeigt er nur die damalige Vorstellung vom Mittelalter. Überinterpretationen finden sich auch zu Dürers Apokalypse. Trotz Waage und Schwert: Hier werden eindeutig christliche Motive gezeigt. Gleiches gilt für den Wittenberger Altar.
Dass es sich bei den Gemälden im Palazzo Scifanoia
in Ferrara eindeutig um astrologische Motive handelt, gilt spätestens seit
Warburgs Forschungen als gesichert. Manchmal helfen Bildinschriften: Nach
gründlicher Analyse konnte Prof. Ludolf von Mackensen den Theologen und
Astrologen Prugner identifizieren. Auch die Bildunterschrift unter Jacob Milichs
Portrait (Mitte links) gibt Hinweise. In der Tat war der in Freiburg i.Br.
geborene Mediziner als Rektor der Wittenberger Universität zugleich
astrologisch tätig. Dass Sophie Brahe (Mitte rechts), geschult durch ihren
Bruder Tycho ( ganz klein im Gemälde des hessischen Landgrafen erkennbar), als
erste Astrologin der Geschichte gelten kann, behaupten einige Dänen.
Heinrich Hoffmann hatte als Rektor der Jenaer Universität rein astronomische
Interessen. Ein Jahrhundert nach Prugner waren Sternforschung und -deutung
bereits eigene Wege gegangen. Der ironische Stich Hogarths vom Ende des Saturn
demonstriert, dass in der Zeit der Aufklärung die Sternendeutung an Geltung
rapide verlor. Die Gegenbewegung der Romantik bringt dann einen Goethe hervor,
das eigene Horoskop deutend.
Moderne Kunst unserer Zeit greift astrologische Motive auf unkonventionelle
Weise wieder auf. „Saturn-Quadrat“ nannte der Künstler sein Werk, das im
Jahre 1993 entstand, als der evangelische Gemeindepfarrer Matthias Schollmeier
in Bülzig bei Wittenberg anlässlich der Konjunktion von Uranus und Neptun im
Zeichen Steinbock zu einem Bildhauersymposium einlud. „Astrologisch
definierbare Verhaltensweisen in der Malerei“ schildert der Münchner Wolfgang
Döbereiner. An Dürers Apostelbild interessiert ihn nicht die Intention des
Künstler, sondern dessen astrologisch-psychologisches Thema.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-99
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Florenz, Uffizien 1482, Fotografie
Erste lebensgroße Darstellung einer heidnischen
Gottheit. Dargestellt ist - allegorisch verschlüsselt - das Thema der
Defloration. Darauf weisen neben der Körperhaltung vor allem die sich von ihr
entfernenden Blätter und Blüten (Flora) hin.
Nach griechischem Mythos entstand Venus/Aphrodite (die Schaumgeborene), als
Saturn, angestiftet durch seine Mutter (die Erdgöttin Gaia) seinen Vater (den
Himmelsgott Uranus) kastrierte. Das abgetrennte Glied fiel ins Meer, und daraus
entstand Venus. Der Kult der Liebesgöttin mit erotischen Sitten ist
vorgriechischen Ursprungs, wobei nach Platon zwischen einer volkstümlichen
(Aphrodite Pandemos) und einer himmlischen (Aphrodite Urania) Symbolfigur der
Liebe unterschieden wird.
Im Horoskop zeigt Venus das kleine Glück an. Der Planet ist den Zeichen Waage
(Taghaus) und Stier (Nachthaus) zugeordnet.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-32f/97
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Alabaster-Skulptur nach Botticelli Gemälde „Geburt der Venus“
Moderne Statuette nach Botticellis Gemälde “Geburt der Venus“
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via Firma Alabaster,
Licht und Erde, Berlin
Literatur: Hoppmann 1997-97 und 1998-17
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Leonardo da Vincis
AbendmahlMailand 1497. Fresko im Refektorium (Speisesaal) der Kirche Santa Maria della Grazie. Nach dem Vorbild des Ptolemaeus, der den Himmel, die große Welt, in zwölf Regionen einteilte, wollte Leonardo in einem Gemälde die kleine Welt in zwölf Gestalten mit unterschiedlichen Merkmalen der menschlichen Natur im Sinne der astrologischen Typologie festhalten.
Die linke Dreiergruppe der Jünger Christi zeigt die
Winterzeichen Steinbock (ein abwehrend die Hand hebender Andreas), Wassermann
(Jakobus der Jüngere, seine Freunde brüderlich umarmend) und Fische
(Bartholomäus ist als einziger mit Füßen dargestellt, welche astromedizinisch
zu diesem Tierkreiszeichen gehören). Es schließt sich die Herbstgruppe an:
Skorpion (Judas, der Verräter) und Schütze (Petrus, der religiöse Kämpfer)
haben mit ihren Köpfen die Reihenfolge gewechselt. Waage (Johannes) fällt
durch Unentschlossenheit auf. Jesus in der Mitte scheint den zwölf Jüngern
gerade erzählt zu haben, dass einer aus ihrer Runde ihn an die Römer verraten
werde.
Jeder der Charaktere reagiert auf eine für sein Tierkreiszeichen übliche
Weise. Dicht neben ihm befindet sich die Sommergruppe von Jungfrau (der
ungläubige Thomas hebt warnend den Finger), Löwe (Jakobus der Ältere zeigt
gemäß seinem Sonnenzeichen eine strahlende Haltung, ähnlich der des Jesus)
und Krebs (introvertiert mit einer Handhaltung, die an sein Signum erinnert).
Ganz rechts folgt die Frühlingsgruppe Zwillinge (Matthäus, die Arme sind
seinem Zeichen zugeordnet), Stier (Thaddäus mit breiten Stiernacken) und Widder
(Simeon, ganz offen und direkt).
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-37f und 1998-122f
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Straßburg1533. Fotografische Großreproduktion nach einem Tarottisch in der Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel.
Gänzlich verwoben zu einem vielschichtigen
Kunstwerk ist Schaffners Tischgemälde von 1533. Der Ulmer Stadtmaler (er
stimmte beim Augsburger Reichstagsabschied 1530 gegen die Reformation und ist in
den Ulmer Musterungslisten vor dem Schmalkaldischen Krieg als Hellebardenträger
genannt) fertigte es als Auftragsarbeit für den wohlhabenden Straßburger
Goldschmied Erasmus Stedelin (Straßburg war eine Hochburg der Reformation; die
gleichzeitige Liebe der Bürger zur Astrologie und Astronomie dokumentiert die
Geschichte der dortigen Münsteruhr).
Ein paar scheinbar unwichtige Details verhindern eine eindeutige Würdigung der
reichhaltigen und vielfältigen Verwendung astrologischer Symbole. So heißt es
auf einer der Schriftrollen: „Das schwär Blev vñs die Venus geyt“. Ferner
wird Eisen der Venus zugeordnet und Kupfer dem Mars. Diese Zuordnungen stehen
jedoch in keiner astrologischen Tradition, ebenso einige Zuordnungen von Farben
zu den dargestellten artes liberales (Freien Künsten). Richtig wäre vielmehr:
Blei = Saturn, Kupfer = Venus und Eisen = Mars. Eine konsequente
kunsthistorische Schlussfolgerung ist, dass es sich bei dem prunkvollen Gemälde
lediglich um ein Repräsentationsobjekt handelt, weder Maler noch Auftraggeber
tatsächlich gebildete Humanisten waren. Streng genommen sind die fehlerhaften
Zuordnungen fast nur durch Unkenntnis zu erklären.
Andererseits ist dieses Bild eine wunderbare Kombination von heidnisch-antiker
Tradition mit christlichem Weltverständnis. Während zum Beispiel Ptolemaeus
aus dem ägyptischen Alexandria (symbolisiert durch Sphinx und Löwe auf seinem
Sitz) die alten astrologischen Schriften studiert, hält die Rhetorik im weißen
Kleid das Kruzifix in der Hand. Auf der danebenliegenden Schrifttafel stellt „Nach
allem wissen niemand ringt / Weyl doch der Glaub beschleust alle ding“
christliche Tugend über den Intellekt. Ursprünglich nahmen (dies zeigt eine
Röntgenaufnahme der Tischplatte) die Planetengötter einen viel größeren Teil
des Himmels ein. Ihre Reduktion auf winzig kleine, dennoch gut erkennbare
Bildchen dürften der Hauptintension des Bildes geschuldet sein, astrologische
Analogiedanken mit der zentralen Idee eines allesverbindenden christlichen
Gottes zu kombinieren. Die Kombination von christlicher, astrologischer und
alchimistischer Symbolik ist im gesamten Bildaufbau derart vielfältig, kaum
etwas scheint dem Zufall überlassen zu sein. Ob die merkwürdigen
Metall-Planet-Zuordnungen doch beabsichtigt sind? Nach den Regeln der Elevation
ist Saturn im Zeichen Waage erhöht, Waage wiederum der Venus zugeordnet. Wurde
deshalb das saturnine Blei in den Spruch der Waage hineingegeben?
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-35f, Hoppmann 1998-99f
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Cranach schildert, ausgehend von dem im Mittelalter weit verbreiteten Gedankengut der „Ars moriendi“ den Kampf zwischen Himmel und Hölle um die Seele des Sterbenden.
Neben dem Arzt mit dem Uringlas sitzt der personifizierte Höllenschlund mit dem darin wartenden Teufel. Ein fliegendes Teufelchen sagt: „Verzweifle völlig, da du alle Gebote Gottes nachlässig erfüllt hast, meine jedoch mit Hilfe der Frau stets aufs Eifrigste!“. Der Engel spricht: „ Deine Sünden bereue, bitte um Verzeihung, hoffe auf Barmherzighkeit!“
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, Teil eines
Tryptichon-Epitaph, Fotografie via Museum der Bildenden Künste, Leipzig
Literatur: Hoppmann 1997-35f und 1998-99f
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Prämonstratenserkreuz
im Dom zu HavelbergDie vier Evangelistenzeichen entsprechen den Elementen: Stier = Erde, Löwe = Feuer, Adler (erlöster Skorpion) = Wasser und Engel (Wassermann) = Luft.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-35f und 1998-99f
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Christus mit
EvangelistenzeichenSt. Nikolai zu Stralsund
An vielen christlichen Kirchen finden sich die vier kardinalen Tierkreiszeichen als Evangelistenzeichen.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-35f und 1998-99f
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Drei
Heilige Könige und der Stern von Bethlehem Figuren aus Rothenburg ob der Tauber
Der Mythos der Geburt Christi zeigt deutlich die mythologische Verwurzelung des Christentums in der Astrologie. Caspar, Melchior und Balthasar waren laut Bibel Sternkundige, die die Geburt des neuen Messias durch eine Planetenkonstellation angekündigt sahen. Es wird sich dabei vermutlich um eine sogenannte „große Konjunktion“ der Planeten Jupiter und Saturn im Zeichen Fische handeln, Symbol des Christentums. Unter den vielen spekulativen Geburtsdaten seien an dieser Stelle genannt: 7. Mai des Jahres 6, 8. August des Jahres 7 und 1. Dezember des Jahres 8 vor unserer Zeitrechnung.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via Empfehlung von Pater
Gerhard, Benediktinerabtei Niederaltaich
Literatur: Hoppmann 1997-35f und 1998-99f
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London 1533
Verborgene astrologische und religionspolitische
Botschaften enthält dieses berühmte Bild. Zwei französische Gesandte lassen
sich am Hof des englischen Königs malen. Das Gemälde selbst wird zur
Botschaft, welche nur von der gebildeten Oberklasse entschlüsselt werden kann.
Die linke Person auf dem Bild ist der französische Adelige Jean de Dintheville.
Er stellt sich in der Pose des englischen Königs dar, und zugleich verweisen
alle astronomische Geräte auf die Geburtsdaten des deutschen Pfalzgrafen
Ottheinrich. Dintheville schlüpft also in eine Rolle. Einige Jahre später
wiederholt er dies im Gemälde „Moses und Aaron“. Wieder geht es um ein
religiöses Thema.
Auf dem Weltglobus (nach Süden ausgerichtet) ist rechts Anglia=England zu
erkennen, links Nuremberga=Nürnberg und in der Mitte Paris. Darunter liegt
Policy, wo sich das Schloss von Jean de Dintheville, der Person links auf dem
Gemälde, befindet.
Das „Geystliche gesangk Buchleyn“ Martin Luthers ist aufgeschlagen. So wird
Offenheit gegenüber dem Protestantismus dargestellt. Zu sehen sind die Lieder
„Kom heiliger geyst“ und „Mensch wittu leben seliglich“.
Der Himmelsglobus stammt von Melanchthons Freund, dem Nürnberger Astrologen
Johannes Schöner. Der Globus ist auf die nördliche Breite und den Aszendenten
des Horoskops ausgerichtet.
Die Seite „Divisio“ (Teilung) im Rechenbuch Peter Apians von 1527 ist
zugeschlagen, nur das Lineal ragt noch heraus. Dies soll auf das Ende der
Streitigkeiten beider Parteien hinweisen.
Die Genom-Sonnenuhr zeigt die Widdersonne am 10. April. Die Spitze des Schattens
liegt zwischen 10 und 11 Uhr.
Der Totenschädel (links wie auf dem Bild, rechts entzerrt) auf der untersten
Bildebene ist ein Symbol für die Sterblichkeit, Gegenpol zu den oben
dargestellten Naturwissenschaften. Der Schädel zeigt auf den katholischen
Bischof Georges de Selve, rechts im Bild. Das Bild wurde in London gemalt, als
Heinrich VIII. sich gerade scheiden ließ und zugleich mit der päpstlichen
Kirche überwarf, um Anna Boleyn zu heiraten. Jene ließ er später köpfen.
Auf der Dodekaeder-Sonnenuhr wirft oben und rechts den Schatten zwischen 10 und
11 Uhr. Die linke Skala berücksichtigt den Zeitunterschied zu London, zeigt
zwischen 9 und 10 Uhr an.
Ottheinrich von der Pfalz, 10.4.1502 Amberg/Rhein, 10.33 p.m.: Er taucht im Bild
zwar nicht auf, auf ihn will die versteckte Botschaft aber offensichtlich
hinweisen. Ottheinrich war zum protestantischen Glauben übergetreten, und
gleiches zu tun, das war vermutlich die Empfehlung dieses Bildes.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-42f und 1998-50
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Albrecht Dürer:
MELENCOLIA I Nürnberg 1514
Albrecht Dürers Freunde deuteten dem Maler
ausführlich das Horoskop. Er gestaltete viele Bilder mit astrologischen Motiven
. Vermutlich malte er „Melencolia I“ für den sternengläubigen Kaiser
Maximilian I. Jener fürchtete Saturn, war melancholisch.
Melencolia i(re): Die Fledermaus galt als Zeichen für seelische Krankheit. Der
lateinische Spruch „MELENCOLIA I[RE]“ könnte übersetzt werden mit „Melancholie
weiche“.
Engel: Das dunkle Frauengesicht ist zusammengesunken, aber die Augen sinnieren
hellwach. Dies stellt die „Melancholia Artificialis“ dar, die Traurigkeit
des genialen Menschen.
Jupiterquadrat: Das magische Quadrat zeigt in jeder Richtung die gleiche Summe,
die Zahl 7. Deutet man es als Jupiterquadrat, so soll seine Wirkung die Schwere
Saturns im Bild aufheben.
Stundenglocke: Auch dies ist ein Symbol für den astrologischen Saturn, für die
Begrenztheit der Zeit, die der Mensch hat. Die Schnur der Glocke geht nach
außen. Wer wird an ihr ziehen?
Waage: Der Planet Saturn ist im Zeichen Waage erhöht, kommt dort besonders gut
zur Entfaltung. Aber die Waagschalen sind leer: Die Balance ist ohne Spannung.
Tischlerinstrumente, geometrische Figuren, Zirkel, Leiter: Alles Schwere,
Erdhafte und Konkrete wird Saturn zugeordnet. Die Arbeit kann jederzeit wieder
aufgenommen werden. Aus der Fläche des vieleckigen Körpers schimmert ganz
leicht ein Gesicht hervor: lächelt es?
Stundenglas: Die Zeit in der Sanduhr ist halb abgelaufen - ein Symbol für den
Menschen in der Lebensmitte, der sinniert, wie vielihm noch bleibt.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, Nachdruck von
Originalplatten via Bundesdruckerei Berlin
Literatur: Hoppmann 1997-33 und 1998-110
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Tilmann Stella
von Siegen: Landtaffel1560
Tielmann Stoltz aus Siegen studierte 1542 an der
Leucorea in Wittenberg unter den Mathematikern Reinhold und Rheticus die
Sternenwissenschaften. Dann genoss er weitere Förderung durch Melanchthon.
Magister Philippus, einst zusammen mit dem Astrologen und Kartografen Sebastian
Münster unter Stoeffler in Tübingen studierend, riet nach Humanistensitte zur
Umbenennung in Tilemann Stella Sigensis und regte eine Neuausgabe der
Deutschlandkarte Sebastian Münsters an. Wiederholte Empfehlungsschreiben
Philipp Melanchthons brachten Stella dann 1560, im Todesjahr seines Förderers,
an den mecklenburgischen Hof. Zum Einstand konnte er seine Deutschlandkarte
mitbringen.
Die gemeine Landtaffel des Deudschen Landes zeigt nach alter Manier,
entsprechend der Ausrichtung von Horoskopzeichnungen, mit dem Süden nach oben
und rahmt die eigentliche Karte mit sechs Ringen aus Tagesbuchstaben,
Kalenderheiligen, Monatsnamen, Tierkreisskala, Bildern und Namen der zodiakalen
Zeichen sowie geografischen Breiten ein.
Mit dem die Rundkarte umschließenden inneren Ring geografischer Breiten und
einem Faden oder Lineal lässt sich die Polhöhe jedes Ortes der Karte
bestimmen. Diese Angabe ist wichtig für die exakte Geburtshoroskopberechnung.
Der norddeutsche Bereich ist durch eigene Reisebeobachtungen wesentlich
ergänzt, Fehler aus den alten Aufzeichnungen des Ptolemaeus wurden korrigiert.
Oben links das Diurnal dient der Bestimmung des Sonnenauf- und -untergangs, oben
rechts das Nocturnal der Zeitbestimmung während der Nacht. Die unten links
aufgeführte Tabelle zur Kalenderbestimmung wurde ebenfalls von Münster
übernommen, aber für den Zeitraum 1556 bis 1609 von Stella neu berechnet. Der
Horoskopkreis mit den Planetenstunden rechts unten dient der astrologischen
Fragestellung.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, fotografische
Vergrößerung via Francisceumsbibliothek Zerbst
Literatur: Hoppmann 1997-110 und 1998-49f
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NebensonneWittenberg 1551
Zu der am 21. März 1551 beobachteten Nebensonne schrieb Philipp Melanchthon ein lateinisches Gedicht.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via
Reformationsgeschichtliches Museum Lutherhalle Wittenberg
Literatur: Hoppmann 1997-94
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um 1570
Johannes Sager an Leonhard Thurneysser, den Astrologen des brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg. Beschreibung von astronomischen Geräten, die Thurneysser zum Kauf angeboten wurden. Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung Ms. Bor. Fol. 685, Bl. 278.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, Fotografie via
Staatsbibliothek zu Berlin
Literatur: Hoppmann 1997-80f und 1998-188f
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Die auf der Insel Hven (=Venus) errichte astronomische Beobachtungsstation verfügte Ende des 16. Jahrhunderts über die modernsten Beobachtungsinstrumente.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via Landskrona-Museum
Literatur: Hoppmann 1997-110 und 1998-37f
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Thementafel PlanetenmusikEpistulae ad Johannes Kepplerum von 1751. Technische
Universität Berlin, Institut für Geodäsie, Archiv-Nummer XX 52-1052:
Zweifelsohne haben Keplers Forschungen zu den Gesetzmäßigkeiten der
Bahnbewegungen des Planetensystems den Grundstein für die moderne Astronomie
gelegt. Es wäre jedoch falsch, ihn aus diesem Grunde als Vorkämpfer eines rein
rationalen Weltbildes darzustellen. Vielmehr ist Kepler zugleich Pionier der
modernen Gestirnsdeutung. Er führte neue Methoden in der Horoskopinterpretation
ein (Aspektlehre), war tätiger Astrologe (u.a. für Wallenstein) und
entwickelte neue Theorien zur „Harmonie der Welt“, der Sphärenmusik.
Dargestellt sind in jenes Nachdruck Arbeiten von Kepler über Analogiegedanken
zwischen den Umlaufbahnen der Planeten und bestimmten Tönen. Diese Theorien
wurden im 20. Jahrhundert u.a. von Hans Cousto weitergeführt, nach dessen
Berechnungen auch moderne Planetenklangspiele gestaltet werden.
Mysterium cosmigraphicum: Poster des Heinrich-Schütz-Hauses, Bad Köstritz1995,
anlässlich des 400. Entdeckungstages der Planetengesetze von Johannes Kepler am
19.7.1595. Keplers Planetentöne aus dem „Mysterium Cosmographicum“ werden
in Beziehung gesetzt zum Werk des evangelischen Kirchenmusikers Heinrich
Schütz.
Rudolfinische Tafeln: Frontispiz nach Keplers eigenem Entwurf: Gesammelte Werke.
Hrsg. von der Kepler-Kommission der Bayer. Akademie der Wissenschaften. München
1937. Das Gesamtbild zeigt den Tempel der Astronomie, dessen Säulen den
Beobachtungen des Hipparch, Ptolemaeus, Copernicus und Brahe entsprechen. Kepler
selbst hat sich nur auf einer der Seitenflächen des Tempelsockels dargestellt.
Wir sehen ihn bei Kerzenschein rechnend an einem Tisch. Vor sich hat er das
Dachmodell des Astronomie-Tempels stehen, wodurch Kepler als der Vollender des
Astronomiegebäudes erscheint. Auf einer Tafel sind seine wichtigsten Werke
aufgeführt: Mysterium Cosmographicum, Astronomiae pars optica, Astronomia Nova,
Epitome Astronomiae Copernicanae.
Heinrich Schütz: Kupferstich von Augustus John, 1627. Heinrich-Schütz-Haus Bad
Köstritz. Der evangelische Kirchenmusiker kannte die Kosmologie Johannes
Keplers gut. Nach seinem Tode wurde 1684 am Dresdner Hof ein Planetenballett
aufgeführt. Die Partitur ist Schütz bzw. seinem Schüler und Nachfolger
Bernhard zuzuschreiben.
Musica et liber artes: Synopsis musica, continens rationem constitutiendi &
componendi ...Johann Krüger, Berlin: 1630, Staatsbibliothek Unter den Linden,
Berlin. Darstellung der sieben Freien Künste sowie der Analogien zwischen
Kosmologie und Musik.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, Fotografie via
Staatsbibliothek zu Berlin
Literatur: Hoppmann 1997-9
317 |
Andreas Cellarius: Amsterdam 1660, Reprint
Ptolemäisches Planetenmodell. Diese geozentrische Vorstellung setzte sich im antiken Griechenland gegen das geozentrische Modell des Aristarch von Samos durch. Die katholische Kirche hielt daran bis ins 19. Jahrhundert fest. Die Erde sollte auf jeden Fall der Mittelpunkt eines von Gott geschaffenen Weltalls bleiben.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-94 und 1998-31f
318 |
Andreas Cellarius: Amsterdam 1660, Reprint
Kopernikanisches Planetenmodell mit Zodiacos. Keineswegs entzog der neu entwickelte Heliozentrismus der Astrologie die Grundlage. Im Gegenteil: Das Himmelsmodell des Copernicus wurde zuerst an der Universität Wittenberg gelehrt, wo jahrzehntelang Vorlesungen über Astrologie zum offiziellen Lehrplan gehörten, Rektoren wie Jakob Milich und Caspar Peucer Horoskope deuteten. Auch heute ist dieses Planetenmodell, erweitert um Theorien des Astrologen und Mathematikers Kepler sowie neu entdeckte Planeten, Grundlage der Horoskoperstellung.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-94 und 1998-31f
319 |
PLANISPHERIVM BRAHEVMAndreas Cellarius: Amsterdam 1660, Reprint
Diese geo-heliozentrische Vorstellung des dänisches Astrologen und Astronomen Tycho de Brahe galt als perfekter Kompromiss, konnte den Streit zwischen Mathematikern und Theologen, zwischen Geo- und Heliozentrik erst einmal schlichten. Es wurde Ende des 16. Jahrhunderts und dann im ganzen 17. Jahrhundert an allen protestantischen Universitäten bevorzugt, entsprach der offiziellen Lehrmeinung.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-94 und 1998-31f
320 |
COELI STELLATI CHRISTIANIAndreas Cellarius: Amsterdam 1660, Reprint
Christologischer Sternenhimmel. Die protestantische Universität in Jena entwickelt die astronomischen und astrologischen Geistesströmungen Wittenbergs weiter. 1625 ersetzten Schickard und Schiller die herkömmlichen Sternbilder durch Figuren aus dem Alten und Neuen Testament, so z.B. die 12 Tierkreiszeichen durch die 12 Apostel: ein protestantischer Bildersturm am Sternenhimmel. Dies ist kurios und kulturhistorisch unsinnig, da die christliche Mythologie viele Elemente der wesentlich älteren Astralmythologie beinhaltet.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-94 und 1998-31f
321 |
Andreas Cellarius: Amsterdam 1660, Reprint
Diese anthropozentrische Darstellung demonstriert anschaulich, dass für die Erstellung und Deutung von Horoskopen nur die erdbezogenen Tierkreiszeichen eine Rolle spielen. Ob geozentrisches oder heliozentrisches Planetenmodell: Wichtig ist lediglich eine mathematisch exakte Berechnung der Gestirnsstände zur Zeit der Geburt. Auf der Zeichnung ist Indonesien deutlich erkennbar. Die Umrisse des in der Mitte des 17. Jahrhunderts nur unvollständig erforschten Australien sind angedeutet.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-94 und 1998-31f
322 |
Sternenbeobachtung
Tycho BrahesHven 1587, Druck von Kupferstich, Amsterdam 1662
Das Bild zeigt Tycho Brahe im Alter von 40 Jahren auf dem Höhepunkt seiner internationalen Bedeutung als Renaissancewissenschaftler. Durch das Loch in der Wand links oben wird der jeweilige Planet oder Stern anvisiert. Seine Polhöhe liest man auf der gewaltigen Skala ab. Der zweite Assistent fixiert die genaue Zeit, ein weiterer schreibt die Daten nieder. Auf Hven herrschte Tycho wie ein Despot: Er unterdrückte die Inselbevölkerung, überwarf sich mit dem protestantischen Pastor und kümmerte sich nicht um die Pflege der Leuchttürme für die Schifffahrt. Dies führte zum Verwürfnis mit dem Thronfolger Christian IV.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
Literatur: Hoppmann 1997-110 und 1998-37f
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Mondgöttin der
BarockzeitSächsisches Planetenballett von 1678
Das Treffen von vier Fürsten des Wettiner
Geschlechts im Dresden des späten 17. Jahrhunderts war von großer politischer
Bedeutung, und Anlass zur Aufführung des "Ballet von Zusammenkunft und
Wirckung deren VII Planeten / auf Ihr. Churfl. Durchl. zu Sachsen großem
Theatro gehalten den 3. Februarii Anno 1678". Die Uraufführung fand im
soeben errichteten Palais des Großen Garten statt. Kunstgeschichtlich leitet
sich hiermit die sächsische Barockzeit ein.
Alles ist in ganz großem Stil angelegt. Bereits auf dem Bühnenvorhang prangt
Merkur. Zu Beginn zeigt das Bühnenbild lauter Ruinen, aus denen sich der
Venus-Tempel erhebt. Cupido kommt aus den Wolken geflogen und singt den Prolog.
In sieben Bildern (Saturn bis Mond) stellen jeweils drei Tänzer die
Gestirnsarchetypen dar. Tänzerinnen ließ das Ballett jener Zeit vermutlich
noch nicht zu. Der Kulissenhimmel trägt eine prachtvolle Bemalung mit dem Wagen
des Sonnengottes. Das Bühnenensemble ist streng symmetrisch aufgeteilt.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam, via Anhaltisches Theater
Dessau anlässlich der Neuaufführung 1999
Literatur: Hoppmann 1998-176f
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Fotografie der Deckendekoration im Palazzo Farnese, Caprarola
Diese astronomisch-astrologische Ausschmückung eines Kartensaales stellte die Sternenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt eines Renaissance-Fürsten. Betritt man den Saal, befindet man sich also unter bzw. im Geburtshoroskop.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam
325 |
Der Kriegsgott Mars, im Liebeskampf durch die Göttin Venus besiegt
In der italienischen Renaissance wurden die kosmologischen Vorstellung zu neuem Leben erweckt. Die Wiedergeburt der Antike fand in Literatur, Bildhauerei, Architektur und Malerei ihre Ausdrucksformen.
Die moderne Psychoanalytikerin und Astrologin Liz Greene vermutete in ihrem Roman "Die Dame des Puppenmeisters", dass Sandro Botticelli als esoterisch Eingeweihter hermetisches Wissen an nächste Generationen weitergab. Beweisen lässt sich dies nicht, aber es ist zumindest erstaunlich, wie subtil der Maler in seinen Werken mythologische Motive verwendete, die über Rahmen des Christentums hinausgehen.
Sammlung Hoppmann, Planetarium Potsdam